Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister (Andreas Rother),
liebe Mitglieder des Vereins für Ostbairische Heimatforschung,
verehrte Gäste dieses Festakts,
der Verband bayerischer Geschichtsvereine, für den ich als 1. Vorsitzender spreche, gratuliert dem Verein für Ostbairische Heimatforschung, der am 11. August 1926, also vor 100 Jahren, von einigen geschichtsbewussten Bürgern hier in Passau gegründet worden ist, zu seinem besonderen Jubiläum.
Fast zeitgleich wurde das anfangs gleichnamige Institut für Ostbairische Heimatforschung ins Leben gerufen, das vom Verein getragen und finanziert wurde.
1983 erfolgte der Beitritt zu unserem 1906 gegründeten Verband bayerischer Geschichtsvereine, der heute 210 Geschichts- und Heimatvereine repräsentiert. Als 210. Verein ist jüngst erst der Verein „Kunstbaustelle“ in Landsberg am Lech beigetreten. Alle unsere Mitgliedsvereine haben sich der wissenschaftlichen Erforschung und der Vermittlung von Heimat-, Regional- und Landesgeschichte im weitesten Sinne verschrieben.
Der Verband will als „Lobbyist für Geschichtsbewusstsein“ der Öffentlichkeit deutlich machen, dass unsere heimatlichen Kulturlandschaften ebenso wie unser föderatives politisches System vom Wissen um „Land und Leute“ abhängen und ihr Weiterbestehen ohne die Vermittlung von regional- und landesgeschichtlichem Wissen erheblich gefährdet ist.
Und dafür brauchen wir die Geschichts- und Heimatvereine vor Ort wie den Verein für Ostbairische Heimatforschung, der seit 100 Jahren in diesem Sinne eine vorbildliche Arbeit leistet.
Ich gratuliere auch im Namen von Martin Schoebel, dem 1. Vorsitzenden des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, in dem der Verein für Ostbairische Heimatforschung ebenfalls Mitglied ist.
Unser Verband veranstaltet für unsere Mitgliedsvereine zum Austausch alle zwei Jahre den Tag der bayerischen Landesgeschichte, zuletzt 2025 in Regensburg, um die Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte (letztes Jahr über König Ludwig I.) bei dieser Tagung besuchen zu können.
Dann veranstaltet der Verband zusammen mit dem Bund Naturschutz und dem Landesverein für Heimatpflege seit 1948 den Bayerischen Heimattag, der alle zwei Jahre in einem anderen Regierungsbezirk stattfindet. Heuer war der Heimattag in Bamberg am 19./20. Juni 2026 zu Gast. Als Rahmenthema haben wir uns „Heimat und Medien“ ausgewählt, nicht nur weil der Heimattag einen Sitz im Rundfunkrat beim öffentlich-rechtlichen BR und im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien hat. Bei diesem letzten Heimattag in Bamberg ging es in erster Linie um die medialen Möglichkeiten der Vermittlung geschichtlichen und heimatkundlichen Wissens.
Der nächste Bayerische Heimattag wird im Juni 2028 in Nürnberg im Heimatministerium stattfinden zum Thema „Wie viel Tourismus verträgt die Heimat?“
Da der Verein für Ostbairische Heimatforschung den Begriff „Heimat“ immer noch im Namen trägt (das „Institut für Ostbairische Heimatforschung“, seit 1978 Teil der Universität Passau, wurde allerdings 2009 in das „Institut für Kulturraumforschung Ostbaierns und der Nachbarregionen“ umgewandelt – unter Beibehaltung der bewährten Zusammenarbeit mit dem Verein) und wir als Verband Teil des Bayerischen Heimattages sind, erlauben Sie mir noch ein paar Gedanken zum Begriff „Heimat“.
Schon Max Heuwieser, einer der Gründer des Vereins, formulierte 1926 die Gründungsidee, Heimatgefühl müsse „beruhen auf Heimatwissen und Heimatkunde“.
Heute müssen wir aufpassen, dass uns der Heimat-Begriff nicht von falscher Seite vereinnahmt wird. Neulich las ich von einem jungen AfD-Funktionär in Sachsen-Anhalt: „Jetzt holen wir uns unsere Heimat zurück!“ Was immer er damit auch meinte!?
In Bayern ist unser Finanzminister zum Glück auch Heimatminister, was eine gewisse Brandmauer gegen das drohende Unterwandern, Umfunktionieren und Umgestalten unserer Geschichts- und Heimatvereine bedeutet.
Minister Füracker verleiht jedes Jahr Heimatpreise. Bei der jüngsten Verleihung am 14. Oktober 2026 in der Allerheiligenhofkirche in München sagte der Minister, bayerisches Heimatgefühl bedeute, „Weltoffenheit, Fortschritt und Traditionsliebe zu verbinden“. Gerade die unerwartete Auszeichnung der beiden oberbayerischen Preisträger freute mich besonders: zum einen der Münchner Stadtteilverein „Wir in Giesing“, eine bunte Truppe, sehr auffällig unter all den vielen Trachtlern bei der Preisverleihung.
Und zum anderen der Verein „Stalag Moosburg“, der sich der Erforschung und Dokumentation der dunklen Geschichte des dortigen großen Kriegsgefangenenlagers während des Zweiten Weltkriegs und seiner Folgeentwicklungen widmet.
Diese Heimatpreis-Verleihung steht sicherlich in Zusammenhang mit dem Heimat-Diskurs der letzten Jahre. Da wird allerdings versucht, den Begriff im Plural zu verwenden, also „Heimaten“, um sichtbar zu machen, wie vielschichtig und subjektiv er besetzt ist. „Heimaten“ in diesem Sinne sind integrativ und offen für Neues, nicht exklusiv, traditionell und ausgrenzend.
In diesem Sinne wünsche ich der Festveranstaltung noch einen schönen Verlauf – und dem Verein für Ostbairische Heimat(en)forschung wünsche ich natürlich: „ad multos annos“.