40. Bayerischer Heimattag

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„Stadtregionen – Lebensräume der Zukunft?“ – so lautete der Titel des 40. Bayerischen Heimattags, zu dem die Trägertrias, bestehend aus dem Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, dem Bund Naturschutz in Bayern und dem Verband bayerischer Geschichtsvereine auf den 28./29 Juni 2019 nach Landshut eingeladen hatte. Im Blickpunkt stand entsprechend die multifunktionale Vernetzung von Städten und ihrem Umland mit dem Ziel, die Lebensqualität in den bayerischen Regionen zu erhalten und den Anforderungen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen Rechnung zu tragen.

Die Veranstaltung begann am Freitagnachmittag im Fletz  des Landshuter Rathauses, wo sich die Teilnehmer der Veranstaltung unter dem Motto „Heimat aktiv“ Informationen zum Heimattag holen und die Präsentationen lokaler Vereine und Institutionen in Augenschein nehmen konnten. Begleitet wurde der Auftakt von Musik vom Niederbayerischen Musikantenstammtisch.

Nach einer kurzen Begrüßung der Gäste durch die Organisatoren der Tagung Michael Ritter (Landesverein) und Gerhard Tausche (Verband) standen für die Besucher drei Stadtführungen zur Auswahl, und zwar eine stadtgeschichtliche Überblicksführung, eine Führung auf der Burg Trausnitz und eine Führung zum Thema „Quer durch Landshut – Transekt zur StadtNatur“.

Die Eröffnungsveranstaltung des Heimattages fand am Abend im Prunksaal des Rathauses statt. Die Begrüßung übernahm Verbandsvorsitzender Prof. Dr. Manfred Treml als aktueller Vorsitzender des Präsidiums des Heimattages. Er dankte der Stadt Landshut für die Einladung und gedachte des kürzlich verstorbenen Geschäftsführers des Landesvereins, Martin Wölzmüller.

Sodann hielten Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz und der Stellvertretende Landshuter Landrat Fritz Wittmann Impulsreferate zum Thema „Die Stadt und der Landkreis Landshut – Potenziale stärken durch Partnerschaft“, in denen sie das harmonische Miteinander bei der Gestaltung der „Region Landshut“ betonten, aber auch konkurrierende Interessen nicht verleugneten.

Es folgte eine vom Bezirk Niederbayern gestaltete Darbietung, die musikalisch-literarische Facetten des Lebens in der Stadt Landshut vermittelte. Vorbereitet und präsentiert von Veronika Keglmaier, Kulturreferentin beim Bezirk Niederbayern, vorgetragen von der von der Landshuter Germanistin und Romanistin Elisabeth Hübner und begleitet von der Gruppe Flez Orange, kamen einstige und gegenwärtige Betrachter der niederbayerischen Kapitale zu Wort.

Mit einem Stehempfang im Fletz des Rathauses, zu dem die Stadt gebeten hatte, klang der Abend gesellig im regen Austausch von Erfahrungen, Informationen und Meinungen aus.

Der zweite Tag der Zusammenkunft begann mit einer Fachveranstaltung im örtlichen Salzstadel, zu der Johann Böhm, der Vorsitzende des Landesvereins, die Anwesenden begrüßte.

Die Abfolge der die Thematik der Tagung vertiefenden Vorträge eröffnete der Regierungspräsident von Niederbayern Dr. Olaf Heinrich mit Ausführungen über „Kommunale Profilierung, sinnstiftende Rendite: Neue Wege in der Stadtentwicklung im ländlichen Raum“, in die er seine reiche Erfahrung als Bürgermeister von Freyung einbringen konnte. Der daran anschließende Vortrag „Stadtbild im Wandel. Die Darstellung urbaner Räume in historischer Perspektive“ von Prof. Dr. Martin Ott (Leiter des Instituts für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bamberg und Bayreuth in Thurnau) verdeutlichte, wie sehr sich auf der einen Seite der Blick auf „die Stadt“ als Lebensraum von der römischen Antike über das Mittelalter bis hin in unsere Zeit hinsichtlich der Reduktion auf einzelne zentrale Bauten bzw. der Darstellung von individueller Lebenswirklichkeit verändert hat, wie kontinuierlich jedoch auch mancher Aspekt der Selbstdarstellung fortwirkt – der Vergleich einer Abbildung der Reichsstadt Nürnberg in Schedels Weltchronik etwa mit einem modernen Skyline-Aufkleber für den privaten PKW mutet somit nur mehr bedingt anachronistisch an. Prof. Dr. Manfred Miosga von der Universität Bayreuth beschloss die Reihe der Vorträge mit seinem vorwärtsgewandten  Beitrag „Stadtregionen zukunftsfähig gestalten – Herausforderung für die Landes- und Regionalplanung“, in welchem die derzeitige Landesplanung, auch mit Blick auf die Ergebnisse des Zukunftsrates der bayerischen Staatsregierung aus dem Jahr 2011, kritisch hinterfragt wurde.

Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmer im Rahmen von zwei parallel stattfindenden Exkursionen, wovon die erste ins Mettenbacher Moos führte, um unter Leitung von Kreisheimatpfleger Stefan Rieder und Adrian Wimmer vom Landschaftspflegeverband danach die Kirche St. Veit in Mettenbach sowie die Wallfahrtskirche St. Wolfgang bei Essenbach in Augenschein zu nehmen. Die zweite Exkursion führte unter Leitung von Kreisheimatpfleger Peter Barteit und Stefan Englbrecht vom BUND Naturschutz zuerst ins Tal der Großen Vils, um im Anschluss daran das Kröninger Hafnerhandwerk in Bödldorf zu inspizieren und die Jugendstilkirche in Dietelskirchen zu bestaunen.

Obwohl der Bayerische Heimattag seit einiger Zeit nur mehr im zweitägigen Format angeboten wird, konnte er auch heuer wieder durch die Fülle des Angebots bestechen. Wer ihn versäumt hat, wird voraussichtlich aber immerhin die Möglichkeit erhalten, den einen oder anderen oben genannten Fachvortrag in der nächsten Nummer der „Mitteilungen des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine“ (29/2020) nachzulesen.